Immer wieder die Diagnose ISG Blockade
Schmerzen im unteren Rücken, die ins Gesäß ziehen, manchmal in die Hüfte und manchmal bis ins Bein. Beim Arzt, in der Physiotherapie oder Chiropraktik heißt es schnell: ISG Blockade. Das beruhigt erst einmal, weil man glaubt zu wissen, was los ist.
Dann wird mobilisiert, eingerenkt oder gespritzt, und danach fühlt es sich wirklich besser an. Ein paar Tage oder Wochen später sind die gleichen Schmerzen wieder da, und wieder heißt es, das ISG sei blockiert. So beginnt bei vielen ein Kreislauf über Monate oder Jahre: gleiche Diagnose, gleiche Behandlung, kurze Besserung, gleiches Problem. Laut Tim ist in vielen Fällen nicht das ISG das eigentliche Problem, sondern das System rundherum.
Warum wird die Diagnose ISG Blockade so oft gestellt?
Nicht weil Ärzte keine Ahnung hätten, sagt Tim, sondern weil es im Alltag schnell gehen muss. Du hast Schmerzen und willst eine Erklärung, der Arzt hat wenig Zeit. Schmerz im unteren Rücken und im Gesäß, Bewegung tut weh: dann ist es wahrscheinlich das ISG.
Damit gibt es eine Bezeichnung, aber noch lange keine echte Ursache. Oft liegt das Problem laut Tim gar nicht im Gelenk, sondern in der Spannung, der Muskulatur, im Bewegungsmuster oder in fehlender Stabilität. Das herauszufinden braucht Zeit, und die fehlt im klassischen System oft.
Kann das ISG überhaupt blockieren?
Das ISG ist kein Gelenk wie Schulter oder Knie. Es ist extrem stabil, wird von sehr starken Bändern gehalten, und die Bewegung darin ist minimal, laut Tim im Bereich weniger Millimeter. Deshalb hält er es für sehr unwahrscheinlich, dass dieses Gelenk ständig blockiert, herausrutscht oder wieder eingerenkt werden muss.
Dass man genau dort Schmerzen hat, macht die Erklärung „ISG verschoben“ zwar plausibel. Schmerz bedeutet aber nicht automatisch, dass das Gelenk kaputt ist. Der Körper kann in diesem Bereich Spannung aufbauen, ohne dass das Gelenk selbst blockiert ist.
Was beim Einrenken wirklich knackt
Viele glauben, beim Einrenken werde etwas Verschobenes wieder an seinen Platz geschoben. So funktioniert das laut Tim nicht. Das Knacken ist weder ein Knochen, der zurückspringt, noch ein Wirbel, der korrigiert wird. Es entsteht durch eine Gasblase im Gelenk, eine Art Vakuum, das sich kurz löst. Man nennt das Kavitation, und es ist dasselbe, was beim Fingerknacken passiert.
Das Nervensystem bekommt dabei einen Reiz, die Spannung geht herunter, der Körper entspannt, und deshalb fühlt es sich danach besser an. Die Ursache ist damit aber nicht beseitigt. Geht dein Körper unter Belastung wieder in die gleiche Spannung, kommt auch der Schmerz wieder. Deshalb kennt Tim viele Menschen, die alle paar Wochen zum Einrenken gehen, weil es ohne nicht mehr geht. Für ihn zeigt das vor allem, dass das System nicht stabil ist.
Was kann eine Spritze ins ISG leisten?
Ähnlich ist es bei Injektionen ins ISG oder in den unteren Rücken. Eine Spritze kann Schmerzen reduzieren, Entzündungen beruhigen und den Körper kurzfristig entlasten. Sie bringt deinem Körper aber nicht bei, unter Belastung stabil zu arbeiten, und deshalb kommen die Beschwerden oft wieder.
Tim weist außerdem darauf hin, dass häufige Kortisonspritzen langfristig problematisch sein können, weil das Gewebe schwächer und empfindlicher werden kann, während das eigentliche Problem bestehen bleibt. Kurzfristig besser ist nicht gleich langfristig stabil. Ob und wie oft eine Spritze für dich sinnvoll ist, besprichst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Warum Angst vor Bewegung alles verschlimmern kann
Nach einer Diagnose wie ISG Blockade haben viele Angst vor Bewegung. Wenn etwas blockiert oder verschoben ist, so der Gedanke, muss man vorsichtig sein und sich schonen.
Genau das führt laut Tim oft dazu, dass der Körper noch mehr Spannung aufbaut, unsicherer wird und noch weniger Kontrolle hat. Dann reicht eine kleine Bewegung oder Belastung, und der Schmerz ist wieder da. Bewegung ist nicht das Problem. Fehlende Kontrolle ist das Problem, und keine Bewegung macht es oft noch schlimmer.
Wenn die Diagnose ständig wechselt
Ein typisches Muster: Erst heißt es ISG, dann Bandscheibe, dann Muskel, dann Facettengelenk, dann Piriformis. Der Schmerz ist aber immer der gleiche. Für Tim zeigt das, dass die Diagnose nicht das eigentliche Problem war.
Das Problem ist das System: wie dein Körper Spannung aufbaut, wie er Belastung verarbeitet und wie er sich stabilisiert. Genau das wird oft nie richtig aufgebaut.
Was stattdessen fehlt: ein System
Was in den meisten Fällen fehlt, ist laut Tim kein weiteres Einrenken, keine weitere Spritze und keine weitere kurzfristige Behandlung, sondern ein System. Du musst verstehen, wie dein Körper arbeitet, wo du instabil bist, wo du zu viel Spannung hast und wo du unter Belastung ausweichst.
Darauf aufbauend werden Schritt für Schritt Beweglichkeit, Kontrolle und Stabilität aufgebaut. Nicht einmal oder zweimal, sondern so lange, bis dein Nervensystem wieder Vertrauen hat. Tim selbst renkt nicht ein, weil er darin keinen Sinn sieht. Wer immer wieder die Diagnose ISG bekommt und nie wirklich stabil wird, sollte deshalb nicht die nächste Behandlung suchen, sondern verstehen, warum der Körper immer wieder Spannung aufbaut.